Zum Inhalt springen
calendio.

Preiskalkulation im Friseursalon: Minuten mal Stundensatz plus Material

Porträt von Jan KotthoffJan KotthoffVeröffentlicht 6 Min Lesezeit

Der Preis einer Friseurleistung entsteht aus drei Größen: den mitarbeitergebundenen Minuten der Behandlung, deinem Stundensatz und dem Materialverbrauch. Eine Ansatzfarbe steht 90 Minuten im Kalender, bindet die Stylistin aber nur 55 Minuten — kalkuliert wird mit den 55. Das trägt allerdings nur, wenn die Einwirkzeit im Kalender wieder verkauft wird.

Wie setzt sich der Preis einer Friseurleistung zusammen?

Ein tragfähiger Preis hat genau drei Bestandteile: die Minuten, die eine Mitarbeiterin an der Kundin arbeitet, den Stundensatz, den jede dieser Minuten kosten muss, und das Material, das dabei verbraucht wird. Als Formel: gebundene Minuten × Stundensatz ÷ 60 + Material = Preis. Alles andere — Bauchgefühl, Nachbarsalon, „das haben wir schon immer so gemacht“ — ist keine Kalkulation, sondern eine Hoffnung.

Mitarbeitergebundene Minuten
Die Minuten einer Behandlung, in denen die Mitarbeiterin tatsächlich an der Kundin arbeitet und nichts anderes tun kann: Beratung, Anrühren, Auftragen, Ausspülen, Föhnen. Nicht dazu gehört die Einwirkzeit — da arbeitet die Chemie, und die Mitarbeiterin ist frei für anderes.

Der Marktvergleich ersetzt diese Rechnung nicht, er kontrolliert sie nur. Ein Herrenhaarschnitt kostet im Bundesschnitt rund 33 €, Waschen, Schneiden und Föhnen für Damen gut 54 € (Deutsche Handwerks Zeitung, 2025, abgerufen 26.08.2026). Diese Durchschnitte sagen dir, wo der Markt steht — nicht, ob du bei diesem Preis überlebst. Das entscheiden deine Miete, dein Lohnniveau und deine Auslastung, also die Zutaten deines Stundensatzes. Wie du den herleitest, rechnet der Beitrag Stundensatz berechnen Schritt für Schritt vor.

Warum entscheiden die Minuten über die ganze Kalkulation?

Weil die Minuten der größte Hebel in der Formel sind — und der am häufigsten geschätzte. Wer den Stundensatz auf den Euro genau herleitet, aber die Dauer einer Balayage aus dem Gefühl auf „ungefähr zwei Stunden“ setzt, kalkuliert mit einer präzisen Zahl mal einer geratenen. Schätzt du 20 Minuten zu kurz, verschenkst du bei einem Stundensatz von 75 € genau 25 € — bei jedem einzelnen Termin, ohne es je auf einer Rechnung zu sehen.

Der Weg zu echten Minuten führt über die Zerlegung in Arbeitsschritte. Eine „Ansatzfarbe, 90 Minuten“ lässt sich nicht überprüfen; „Beratung 5, Anrühren 5, Auftragen 20, Einwirken 35, Ausspülen 10, Föhnen 15“ schon — jede Zahl lässt sich eine Woche lang mit der Stoppuhr kontrollieren. Genau so pflegst du in Calendio deine Leistungen: Jede Leistung hat einen Ablauf aus Schritten mit eigener Dauer, und bei jedem Schritt steht dabei, ob er die Mitarbeiterin bindet oder nicht.

  1. Beratung5 MinBedienstuhl
  2. Farbe anrühren5 MinFarbmischplatz
  3. Farbe auftragen20 MinBedienstuhl
  4. Einwirkzeit35 MinBedienstuhl
  5. Ausspülen10 MinWaschbecken
  6. Föhnen15 MinBedienstuhl
Ansatzfarbe in Schritten: 90 Minuten gesamt, davon 35 Minuten Einwirkzeit, in denen die Mitarbeiterin frei ist.

Diese Schrittliste ist doppelt nützlich: Sie ist die Grundlage der Preisrechnung und die Grundlage des Kalenders. Stimmen die Schrittdauern, stimmt beides. Stimmen sie nicht, ist der Preis zu niedrig und der Terminplan zu eng — derselbe Fehler, zweimal bezahlt.

Was kostet eine Ansatzfarbe? Die Modellrechnung

Eine Ansatzfarbe steht im Calendio-Demosalon 90 Minuten im Kalender — davon binden nur 55 Minuten die Stylistin. Die übrigen 35 Minuten wirkt die Farbe ein; das liegt im üblichen Rahmen von 30 bis 45 Minuten für permanente Colorationen (Schwarzkopf-Ratgeber, abgerufen 26.08.2026). Die Zeitachse zeigt, welche Schritte den Stundensatz kosten und welche nicht:

55Auftragen20Einwirkzeit35Ausspülen10Föhnen1590 Minuten gesamt — gestrichelt: Mitarbeiterin frei
Ansatzfarbe im Demosalon: 90 Minuten im Kalender, davon 55 Minuten mitarbeitergebunden — nur diese 55 gehen in die Preiskalkulation ein.

Preiskalkulation Ansatzfarbe Modellrechnung

Gesamtdauer im Kalender
90 Min
Davon mitarbeitergebunden
55 Min
Stundensatz (Modellannahme)
75 €
Arbeitsanteil: 55 Min × 1,25 €/Min
68,75 €
Material: Farbe, Oxidant, Pflege (Modellannahme)
12,00 €
Kalkulierter Mindestpreis
80,75 €

Annahmen: Modellrechnung mit offenen Annahmen: Schrittdauern aus dem Calendio-Demosalon, Stundensatz 75 € als Rechenbeispiel (deinen eigenen leitest du im Stundensatz-Beitrag her), Material 12 € als runder Beispielwert. Der Stundensatz enthält bereits Lohn, Nebenkosten, Miete und Gewinn — der kalkulierte Preis ist also eine Untergrenze, kein Wunschpreis.

Auf der Preisliste wird aus 80,75 € ein glatter Wert — 82 € oder 84 €, je nach Positionierung. Wichtig ist die Richtung der Rundung: nach oben. Wer auf 79 € abrundet, weil die Zahl freundlicher aussieht, streicht sich mit einem Federstrich den Gewinnanteil aus der eigenen Kalkulation.

Das Material bleibt dabei ein offener Posten, kein Bestandteil des Stundensatzes. Der Grund: Material schwankt mit der Leistung, nicht mit der Zeit. Eine Balayage auf langem Haar verbraucht ein Mehrfaches einer Ansatzfarbe am Kurzhaar — steckte das Material pauschal im Stundensatz, würden Kurzhaarkundinnen die Langhaarfarben quersubventionieren. Wiege eine Woche lang bei jeder Farbleistung ab, was wirklich in die Schale kommt, und rechne mit dem Einkaufspreis. Danach hast du je Leistung eine belastbare Materialpauschale statt einer Ausrede.

Muss die Einwirkzeit in den Preis?

Nein — wenn du die frei werdenden Minuten füllst. Ja — wenn sie bei dir Leerlauf bleiben. Das ist keine Rechenfrage, sondern eine Organisationsfrage, und sie entscheidet über gut 20 € pro Farbtermin: 35 Einwirkminuten kosten bei 75 € Stundensatz rechnerisch 43,75 €, wenn niemand sie nutzt.

Drei Umgangsweisen mit der Einwirkzeit — gerechnet an der Ansatzfarbe aus der Modellrechnung (90 Min, 55 Min gebunden, Stundensatz 75 €, Material 12 €).
Umgang mit der EinwirkzeitKalkulierter PreisFolge
Voll einpreisen (90 Min bezahlt)124,50 €Deutlich über Markt — Kundinnen vergleichen mit Salons, die klüger planen
Weglassen, Lücke bleibt leer80,75 €Preis marktfähig, aber die Stylistin wird für 90 Minuten bezahlt: real bleiben ihr rund 46 € pro Stunde — du rechnest dich arm
Weglassen, Lücke wird verkauft80,75 €Preis marktfähig und die 35 Minuten tragen einen zweiten Termin — die Kalkulation geht auf

Das ist die eigentliche Position dieses Beitrags: Wer die Einwirkzeit voll einpreist, ist zu teuer. Wer sie weglässt, ohne die Lücke zu füllen, rechnet sich arm. Nur der dritte Weg trägt — und er verlangt, dass der Kalender die Einwirkzeit als eigenen Schritt kennt und die freie Mitarbeiterin für einen Zwischentermin anbietet. Wie das im Alltag aussieht, zeigt der Ratgeber Einwirkzeit ist Arbeitszeit; was gefüllte Lücken für deine Kennzahlen bedeuten, rechnet der Ratgeber zur Auslastung vor.

Ehrlich bleiben: Nicht jede Lücke lässt sich an jedem Tag verkaufen. Wer neu anfängt, kalkuliert sicherer mit einer Mischannahme — etwa der Hälfte der Einwirkminuten als bezahlt — und senkt den Aufschlag, sobald die eigenen Zahlen zeigen, dass die Lücken sich füllen.

Wie oft musst du nachkalkulieren?

Einmal im Jahr planmäßig — und sofort, wenn ein Kostenblock spürbar springt. Die Preise für Friseurleistungen stiegen 2025 im Schnitt um 3,6 Prozent, als Kostentreiber nennt der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks Personal, Material und Energie (Deutsche Handwerks Zeitung, 2025, abgerufen 26.08.2026). Ein Lohnplus im Team oder ein neuer Mietvertrag verändert deinen Stundensatz — und damit jeden einzelnen Preis auf der Liste.

Die gute Nachricht: Wer einmal sauber mit Schrittdauern kalkuliert hat, braucht für die Nachkalkulation nur noch zwei Zahlen zu prüfen — Stundensatz und Materialpreise. Die Minuten bleiben gleich, solange sich die Abläufe nicht ändern. Was aus einer fälligen Erhöhung dann in der Kommunikation wird — Vorlauf, Aushang, E-Mail — steht im Beitrag Preise erhöhen ohne Kundenverlust.

Rechenweg: eine Leistung in sechs Schritten kalkulieren

  • Leistung in Arbeitsschritte zerlegen und jede Schrittdauer eine Woche lang mit der Uhr messen — nicht schätzen.
  • Jeden Schritt markieren: bindet er die Mitarbeiterin oder ist sie frei (Einwirkzeit)?
  • Nur die gebundenen Minuten addieren und mit dem Stundensatz mal 1/60 multiplizieren.
  • Material je Leistung wiegen und zum Einkaufspreis ansetzen — als eigenen Posten, nicht im Stundensatz versteckt.
  • Summe auf einen glatten Preis aufrunden, nie abrunden.
  • Ergebnis gegen den Markt prüfen: Liegt dein Preis weit über dem Schnitt, prüfe zuerst, ob deine Einwirkzeiten Leerlauf sind — bevor du am Gewinn kürzt.

Häufige Fragen

Mit der Formel gebundene Minuten × Stundensatz ÷ 60 + Material. Die Minuten kommen aus gemessenen Arbeitsschritten, der Stundensatz aus deinen Kosten und deiner realen Auslastung, das Material aus gewogenem Verbrauch. Marktpreise dienen nur als Kontrolle, nicht als Grundlage.

Die Formel dieses Beitrags passt auf einen Bierdeckel: gebundene Minuten mal Stundensatz plus Material. Die Arbeit steckt nicht in der Mathematik, sondern im Messen der Minuten — und in der ehrlichen Antwort auf die Frage, ob deine Einwirkzeiten verkauft werden oder verfallen. Calendio nimmt dir davon den Dauerbetrieb ab: Leistungen mit Abläufen und Schrittdauern sind dort ohnehin gepflegt, und der Kalender verkauft die Einwirkzeit gleich mit. Die Stoppuhr-Woche am Anfang musst du trotzdem selbst machen — sie ist die beste Investition dieser ganzen Rechnung.

Porträt von Jan Kotthoff

Jan Kotthoff Gründer von Calendio

Jan Kotthoff hat Calendio gebaut, weil ihn eine Frage nicht losließ: Warum blockt eine Salonsoftware die Einwirkzeit, obwohl in dieser Zeit niemand arbeitet? Er schreibt hier über das, was er beim Bauen und im Gespräch mit Salons gelernt hat — mit offenen Rechenwegen statt Behauptungen.

Quellen

Weiterlesen