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Preise erhöhen im Friseursalon: Zeitpunkt, Ankündigung, Mustertexte

Porträt von Jan KotthoffJan KotthoffVeröffentlicht 7 Min Lesezeit

Erhöhe die Preise, sobald deine Nachkalkulation es verlangt — nicht erst, wenn der Kontostand mahnt. Kündige den Schritt vier bis sechs Wochen vorher an, mit klarer Ansage und einem Satz Begründung, und rechne bereits gebuchte Termine zum alten Preis ab. Schweigen ist die schlechteste Ankündigung: Kundinnen verzeihen höhere Preise, aber keine Überraschung beim Bezahlen.

Wann ist eine Preiserhöhung fällig?

Fällig ist eine Erhöhung, sobald die Nachkalkulation zeigt, dass dein Stundensatz die Kosten nicht mehr trägt — planmäßig prüfst du das einmal im Jahr, außerplanmäßig sofort nach jedem Kostensprung. Eine Lohnrunde im Team, ein neuer Mietvertrag, ein Preisbrief vom Farbenlieferanten: Jedes davon verändert deinen Stundensatz, und damit jeden Preis auf der Liste. Wie die Rechnung dahinter funktioniert, zeigen die Beiträge Preiskalkulation und Stundensatz berechnen.

Die Branchenzahlen nehmen dir dabei ein Stück Scheu: Preiserhöhungen sind im Friseurhandwerk der Normalfall, nicht dein persönliches Versagen. Laut Statistischem Bundesamt zahlten Frauen Stand September 2025 gut 28 Prozent mehr für Friseurleistungen als 2020, Männer und Kinder knapp 31 Prozent mehr; allein 2025 stiegen die Preise im Schnitt um 3,6 Prozent. Als Kostentreiber nennt der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks Personal, Material und Energie (Deutsche Handwerks Zeitung, 2025, abgerufen 26.08.2026).

Frauen, seit 202028 %Männer & Kinder, seit 202031 %Ø Anstieg im Jahr 20253,6 %
Preisanstieg bei Friseurleistungen laut Destatis: die beiden linken Balken zeigen den Anstieg von 2020 bis September 2025, der rechte die durchschnittliche Steigerung allein im Jahr 2025 (Deutsche Handwerks Zeitung, 2025, abgerufen 26.08.2026).

Wer fünf Jahre lang gar nicht erhöht hat, liegt also nicht vorsichtig, sondern rund ein Viertel unter der Kostenentwicklung der eigenen Branche. Das Loch stopfen viele Salons dann mit mehr Terminen statt mit besseren Preisen — ein Weg, der irgendwann an der Wand endet, wie der Ratgeber zur Auslastung vorrechnet. Die Entscheidung für eine Erhöhung fällt deshalb am Schreibtisch, mit deiner Kalkulation — nicht am Stuhl, aus schlechtem Gewissen.

Wie kündigst du eine Preiserhöhung an, ohne Kundinnen zu verlieren?

Mit Vorlauf, klarer Ansage und Bestandsschutz — das ist der ganze Dreiklang. Vier bis sechs Wochen Vorlauf geben jeder Stammkundin die Chance, die Ankündigung vor ihrem nächsten Termin zu sehen. Und die schlechteste aller Varianten ist keine missglückte Formulierung, sondern Schweigen: Wer die Erhöhung erst beim Bezahlen bemerkt, fühlt sich ertappt — und genau dieses Gefühl, nicht die drei Euro, kostet dich die Kundin.

  • Klare Ansage statt Nebel: „Ab dem 1. Oktober kostet Waschen, Schneiden und Föhnen 57 €“ — nicht „wir müssen unsere Preise leider geringfügig anpassen“. Wer die Zahl versteckt, wirkt, als hätte er etwas zu verstecken.
  • Ein Satz Begründung reicht: Gestiegene Kosten für Personal, Material und Energie sind belegbar und jedem plausibel. Drei Absätze Rechtfertigungsprosa dagegen klingen nach Verhandlungsangebot.
  • Keine Entschuldigung: Du erhöhst, damit du dein Team fair bezahlen kannst und der Salon trägt. Das ist ordentliches Wirtschaften, kein Vergehen.
  • Gebuchte Termine bleiben beim alten Preis: Ein Termin ist eine getroffene Abmachung — in der Regel gilt der Preis, der bei der Buchung galt. Dieser Bestandsschutz ist das stärkste Signal von Fairness in der ganzen Ankündigung.
Fahrplan für eine Preiserhöhung mit vier Wochen öffentlichem Vorlauf — vom fertigen Rechenwerk bis zum Stichtag.
ZeitpunktWas passiert
6 Wochen vorherNachkalkulation abschließen, neue Preisliste intern festlegen, Stichtag wählen
4 Wochen vorherAushang in den Salon, E-Mail an die Stammkundschaft, Team mit einer gemeinsamen Sprachregelung briefen
Bis zum StichtagAlle bereits gebuchten Termine zum alten Preis abrechnen; Neubuchungen mit Termin nach dem Stichtag zeigen schon den neuen Preis
StichtagNeue Preise überall gleichzeitig: Aushang, Preisliste, Website, Online-Buchung — keine Stelle vergessen

Was eine Erhöhung um 6 Prozent die Stammkundin wirklich kostet Modellrechnung

Waschen, Schneiden, Föhnen im Bundesschnitt
54 €
Erhöhung um 6 %
+ 3,24 €
Neuer Preis (gerundet)
57 €
Besuche pro Jahr (Annahme: alle 6–7 Wochen)
8
Mehrkosten pro Kundin und Jahr
rund 26 €

Annahmen: Modellrechnung mit offenen Annahmen: Ausgangspreis 54 € ist der Bundesschnitt für Damen laut Deutscher Handwerks Zeitung (2025, abgerufen 26.08.2026); 8 Besuche pro Jahr sind eine Setzung für eine regelmäßige Stammkundin. Die Rechnung zeigt die Größenordnung: Die Erhöhung, vor der viele Inhaberinnen monatelang zurückschrecken, kostet die Kundin übers Jahr weniger als ein halber Besuch.

Mustertext: der Aushang im Salon

Der Aushang hängt ab vier Wochen vor dem Stichtag am Empfang — dort, wo bezahlt wird, nicht versteckt an der Garderobe. Er ist kurz, nennt Zahl und Datum und verspricht den Bestandsschutz. Datum, Beispielpreis und Salonname ersetzt du durch deine eigenen; die Anrede stellst du aufs Sie um, wenn ihr im Salon siezt.

  • Liebe Kundinnen und Kunden,
  • zum 1. Oktober passen wir unsere Preise an. Die Kosten für Personal, Material und Energie sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen — diesen Schritt gehen wir, damit sich an der Qualität eurer Behandlung nichts ändert.
  • Ein Beispiel: Waschen, Schneiden und Föhnen kostet dann 57 € statt 54 €. Die vollständige neue Preisliste liegt am Empfang aus und steht in unserer Online-Buchung.
  • Alle Termine, die vor dem 1. Oktober vereinbart wurden, rechnen wir selbstverständlich zum alten Preis ab.
  • Danke für euer Vertrauen — euer Salonteam

Mustertext: die E-Mail an Stammkundinnen

Die E-Mail geht zeitgleich mit dem Aushang raus — an die Kundinnen, deren dokumentierte Einwilligung für solche Nachrichten vorliegt. Sie darf persönlicher sein als der Aushang: Nenne die Leistung, die die Kundin tatsächlich bucht, statt eines abstrakten Beispiels. Namen, Datum und Preise ersetzt du durch deine eigenen.

  • Betreff: Neue Preise ab dem 1. Oktober
  • Liebe Anna,
  • ab dem 1. Oktober gelten bei uns neue Preise. Personal, Material und Energie sind spürbar teurer geworden — wir gehen diesen Schritt, damit wir unser Team fair bezahlen und die Qualität halten können.
  • Für dich konkret: Deine Ansatzfarbe mit Schnitt kostet künftig 119 € statt 112 €.
  • Dein Termin am 24. September ist davon nicht betroffen — er wurde vor der Umstellung vereinbart, und dafür gilt der alte Preis.
  • Wenn du Fragen hast, sprich uns beim nächsten Besuch einfach an.
  • Herzliche Grüße, dein Salonteam

Mustertext: die Antwort auf eine Beschwerde

Auf eine Beschwerde antwortest du freundlich, klar — und ohne zu verhandeln. Wer als Beschwichtigung einen Rabatt anbietet, verwandelt die Preisliste in eine Verhandlungsbasis und bestraft alle, die nicht gemeckert haben. Der Mustertext funktioniert schriftlich wie als Leitfaden fürs Gespräch am Empfang.

  • Liebe Anna, danke, dass du das offen ansprichst.
  • Die Erhöhung haben wir uns nicht leicht gemacht. Unsere Kosten für Personal, Material und Energie steigen seit Jahren, und wir haben sie lange nicht weitergegeben. Jetzt war der Schritt nötig, damit wir unser Team fair bezahlen und unsere Qualität halten können.
  • Dein Termin am 24. September war vor der Ankündigung vereinbart und bleibt beim alten Preis.
  • Wir würden uns freuen, dich weiterhin bei uns zu sehen — und beantworten jede Frage dazu gern persönlich im Salon.

Genauso wichtig ist, was nicht in die Antwort gehört: kein Rabattangebot, keine Auflistung sämtlicher Kostenpositionen, kein Vergleich mit dem Salon zwei Straßen weiter. Ein Satz Begründung, der Bestandsschutz, eine freundliche Einladung — mehr Verteidigung braucht ein ehrlich kalkulierter Preis nicht. Wer sich seitenlang rechtfertigt, signalisiert, dass über den Preis noch geredet werden kann.

Wo müssen die neuen Preise am Stichtag überall stehen?

Überall gleichzeitig: auf dem Aushang, in der Preisliste, auf der Website und in der Online-Buchung. Die peinlichste Panne einer Preiserhöhung ist die vergessene Stelle — die Online-Buchung, die drei Wochen nach dem Stichtag noch den alten Preis zeigt und damit jede Diskussion am Empfang selbst herbeiführt. In Calendio pflegst du jeden Preis genau einmal an der Leistung; Kalender und Online-Buchung übernehmen die Änderung von dort, eine zweite Pflegestelle gibt es nicht.

Transparent wird die neue Preisliste durch den Fragenkatalog: Aufpreise etwa nach Haarlänge stehen als Regel fest und werden der Kundin vor der Buchung angezeigt — nicht erst am Stuhl verkündet. Gerade nach einer Erhöhung nimmt das der Preisfrage die Schärfe, weil niemand mit einer anderen Zahl nach Hause geht als der, die sie beim Buchen gesehen hat.

calendio.pro/b/hasenbein/buchen

Frage 1 von 3

Wie lang sind deine Haare?

kurzschulterlanglang

Dein Termin

Dauer90 Min → 120 Min
Preis89 € 119 €
Der Fragenkatalog rechnet mit: „Schulterlang“ macht aus 90 Minuten 120 und aus 89 € 119 € — die Kundin sieht den ehrlichen Preis, bevor sie bucht.

Checkliste: Preiserhöhung in sechs Schritten

  • Nachkalkulation machen: Stundensatz und Materialpreise prüfen, neue Preise je Leistung festlegen — gerundet nach oben, nie nach unten.
  • Stichtag wählen, der vier bis sechs Wochen Vorlauf lässt, und ihn schriftlich festhalten.
  • Aushang und E-Mail aus den Mustertexten anpassen: Datum, Beispielpreise, Anrede (du oder Sie).
  • Team briefen: eine gemeinsame Sprachregelung mit einem Satz Begründung und dem Hinweis auf den Bestandsschutz — niemand improvisiert am Empfang.
  • Bereits gebuchte Termine zum alten Preis abrechnen, ohne Ausnahme und ohne Diskussion.
  • Am Stichtag alle Stellen gleichzeitig umstellen: Aushang, Preisliste, Website, Online-Buchung — und eine Woche später kontrollieren, ob wirklich überall der neue Preis steht.

Häufige Fragen

Planmäßig einmal im Jahr prüfen, ob Stundensatz und Materialpreise noch stimmen — und sofort nachrechnen, wenn ein großer Kostenblock springt, etwa durch eine Lohnrunde oder einen neuen Mietvertrag. Kleine, regelmäßige Schritte sind für Kundinnen leichter zu tragen als ein Sprung nach fünf Jahren Stillstand.

Die eigentliche Arbeit einer Preiserhöhung steckt nicht in der Ankündigung, sondern in der Kalkulation davor — steht die Rechnung, sind Aushang und E-Mail an einem Nachmittag erledigt. Was danach bleibt, ist Disziplin: den Stichtag halten, den Bestandsschutz einlösen, nicht verhandeln. Calendio nimmt dir davon den mechanischen Teil ab — Preise je Leistung an einer Stelle pflegen, Aufpreise über den Fragenkatalog vor der Buchung zeigen. Die Entscheidung, deinen Preis auszuhalten, bleibt deine.

Porträt von Jan Kotthoff

Jan Kotthoff Gründer von Calendio

Jan Kotthoff hat Calendio gebaut, weil ihn eine Frage nicht losließ: Warum blockt eine Salonsoftware die Einwirkzeit, obwohl in dieser Zeit niemand arbeitet? Er schreibt hier über das, was er beim Bauen und im Gespräch mit Salons gelernt hat — mit offenen Rechenwegen statt Behauptungen.

Quellen

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