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Umsatz im Friseursalon: Rechne deinen Rahmen, nicht den Durchschnitt

Porträt von Jan KotthoffJan KotthoffVeröffentlicht 6 Min Lesezeit

Eine seriöse Durchschnittszahl je Salon gibt es nicht. Die Umsatzsteuerstatistik weist für 2022 rund 7,07 Milliarden Euro Netto-Umsatz und 52.334 Friseurunternehmen aus — rechnerisch gut 11.000 € im Monat, doch dieser Mittelwert mischt Solo-Salons mit Ketten. Aussagekräftiger ist der eigene Rahmen: besetzte Arbeitsplätze mal Stunden mal Auslastung mal Umsatz je verkaufter Stunde.

Wie viel Umsatz macht ein Friseursalon im Monat?

Eine ehrliche Antwort beginnt mit dem, was belegt ist — und das sind Branchensummen, keine Salonwerte. Die 52.334 umsatzsteuerpflichtigen Friseurunternehmen in Deutschland erwirtschafteten 2022 steuerpflichtige Netto-Umsätze von rund 7,07 Milliarden Euro (Branchenbericht des Zentralverbands des Deutschen Friseurhandwerks 2023/24, auf Basis der Destatis-Umsatzsteuerstatistik, abgerufen 26.08.2026).

Was der rechnerische Durchschnitt ergibt — und warum er wenig taugt Modellrechnung

Steuerpflichtige Netto-Umsätze 2022 (Umsatzsteuerstatistik)
7,07 Mrd. €
Umsatzsteuerpflichtige Friseurunternehmen 2022
52.334
Rechnerischer Jahresumsatz je Unternehmen
gut 135.000 €
Rechnerischer Monatsumsatz je Unternehmen (netto)
rund 11.300 €

Annahmen: Keine Modellannahme, sondern eine offene Division belegter Zahlen aus dem ZV-Branchenbericht 2023/24 (abgerufen 26.08.2026). Ihre Schwäche steht im nächsten Abschnitt: Ein Mittelwert über Solo-Salons und Filialketten beschreibt fast keinen realen Betrieb — und umsatzsteuerbefreite Kleinstsalons fehlen ganz.

Auch die zweite amtliche Zahl relativiert mehr, als sie beantwortet: Je tätiger Person setzte das Friseurhandwerk 2018 rund 28.900 € im Jahr um — der niedrigste Wert im zulassungspflichtigen Handwerk, dessen Schnitt bei rund 129.700 € lag (Destatis-Pressemitteilung, abgerufen 26.08.2026). Darin stecken viel Teilzeit und Ausbildung — als Zielwert für deinen Salon ist die Zahl unbrauchbar.

Warum führt der Vergleich mit dem Durchschnittssalon in die Irre?

Weil es den Durchschnittssalon nicht gibt. Die Branche ist extrem ungleich gebaut: Rund 70 Prozent aller umsatzsteuerpflichtigen Friseurunternehmen beschäftigen weniger als fünf Mitarbeitende, und über 70 Prozent der Betriebe lagen 2021 zwischen 22.000 und 125.000 € Jahresumsatz — zusammen erwirtschafteten sie nur knapp 38 Prozent des Branchenumsatzes. Am anderen Ende standen 895 Großbetriebe, keine 2 Prozent der Unternehmen, mit rund 20 Prozent des Gesamtumsatzes (ZV-Branchenbericht 2023/24, abgerufen 26.08.2026).

22.000 bis 125.000 € im Jahr sind rund 1.800 bis 10.400 € im Monat — die Mehrheit der Betriebe liegt also unter dem rechnerischen Durchschnitt von 11.300 €, weil wenige Große den Mittelwert nach oben ziehen. Wer seinen Salon an dieser Zahl misst, vergleicht sich mit einer Mischung aus Filialkette und Solo-Kabine. Beides hat mit deiner Miete, deinem Team und deinen Öffnungszeiten nichts zu tun.

Dazu kommt ein blinder Fleck der Statistik selbst: Rund 30 Prozent der Friseurunternehmen führen als Kleinunternehmen gar keine Umsatzsteuer ab und kalkulieren ihre Preise entsprechend ohne die 19 Prozent — Tendenz laut Zentralverband steigend (ZV-Branchenbericht 2023/24, abgerufen 26.08.2026). Ein Teil des Marktes taucht in den Umsatzsummen also verzerrt oder gar nicht auf. Jeder „Durchschnittssalon“, den dir ein Ratgeber nennt, steht damit auf doppelt wackligem Boden.

Die brauchbare Frage lautet deshalb nicht „Was macht der Durchschnitt?“, sondern „Was gibt mein Salon her?“ — dein Möglichkeitsrahmen aus vier Größen, die du kennst oder messen kannst. Die Rechnung dafür steht im nächsten Abschnitt, und sie funktioniert für den Solo-Salon genauso wie für zwei Filialen.

Wie rechnest du deinen eigenen Möglichkeitsrahmen?

Möglichkeitsrahmen
Der Umsatz, den dein Salon bei realistischer Auslastung höchstens erreichen kann: besetzte Arbeitsplätze × bezahlte Anwesenheitsstunden × ehrliche Auslastung × Umsatz je verkaufter Stunde. Keine Prognose, sondern eine Obergrenze mit offenen Annahmen — zum Einordnen des Ist-Umsatzes und zum Durchspielen von Veränderungen.

Drei der vier Größen stehen in deinen Unterlagen: Arbeitsplätze im Raum, Anwesenheitsstunden im Schichtplan, Auslastung in der eigenen Messung — wie die geht, zeigt der Ratgeber Auslastung im Friseursalon. Die vierte Größe, der Umsatz je verkaufter Stunde, lässt sich aus belegten Marktpreisen bauen: Ein Herrenhaarschnitt kostet im Bundesschnitt rund 33 €, Waschen, Schneiden und Föhnen für Damen gut 54 € (Deutsche Handwerks Zeitung, 2025, abgerufen 26.08.2026).

Bindet der Herrenschnitt rund 45 Minuten, bringt er etwa 44 € je verkaufter Stunde; bindet der Damentermin rund eine Stunde, sind es 54 €. Für die Modellrechnung unten setzen wir einen Mischwert von 50 € an — bewusst rund, bewusst ersetzbar. Dein eigener Wert ist ehrlicher: Monatsumsatz aus Dienstleistungen geteilt durch die verkauften Stunden desselben Monats.

Drei Szenarien: Solo, kleines Team, zwei Filialen

Szenario „kleines Team“ — die Rechnung im Detail Modellrechnung

Besetzte Arbeitsplätze
3
Bezahlte Anwesenheit je Person (21 Tage × 8 h)
168 h
Ehrliche Auslastung (Modell)
60 %
Verkaufte Stunden im Monat (3 × 168 × 0,6)
rund 302 h
Umsatz je verkaufter Stunde (Modell-Mischwert)
50 €
Monatsumsatz im Modell
rund 15.100 €

Annahmen: Modellrechnung mit offenen Annahmen: Die Auslastungswerte aller drei Szenarien liegen in oder unter der branchenüblichen Faustregel von 60 bis 70 Prozent abrechenbarer Kundenzeit (nicnoa-Ratgeber, abgerufen 26.08.2026); die 50 € je Stunde sind aus den dhz-Durchschnittspreisen abgeleitet und enthalten als Endkundenpreise die Umsatzsteuer — beim Vergleich mit den Netto-Zahlen der Statistik oben also rund ein Sechstel abziehen. Produktverkauf und Gutscheine fehlen bewusst.

Drei Modellszenarien mit derselben Formel — besetzte Arbeitsplätze × Stunden × Auslastung × 50 € je verkaufter Stunde.
SzenarioVerkaufte Stunden im MonatMonatsumsatz (Modell)
Solo: 1 Arbeitsplatz, 160 h Anwesenheit, 55 % Auslastung88 h4.400 €
Kleines Team: 3 Arbeitsplätze, je 168 h, 60 %rund 302 hrund 15.100 €
Zwei Filialen: 8 Arbeitsplätze, je 168 h, 65 %rund 874 hrund 43.700 €
Solo4.400 Kleines Team15.100 Zwei Filialen43.700
Die drei Szenarien nebeneinander — Modellrechnung, Monatsumsatz in Euro, Annahmen wie in der Tabelle.
Übersicht — alle Filialen
Alle FilialenFiliale InnenstadtFiliale Nord
Innenstadt · Termine heute
14
Nord · Termine heute
11
Innenstadt · Auslastung
78 %
Nord · Auslastung
64 %
Zwei Filialen, ein Blick: Innenstadt und Nord mit eigenen Zahlen — und „Alle Filialen“ für den Gesamtüberblick.

Auffällig ist, was zwischen den Szenarien wirkt: Von Solo zu Team verdreifachen sich nicht nur die Arbeitsplätze — auch die Auslastung steigt im Modell, weil ein Team Lücken gegenseitig auffangen kann. Bei mehreren Filialen kommt die Frage dazu, ob beide Standorte dieselbe ehrliche Zählweise nutzen; ein Durchschnitt über zwei Filialen kann eine schwache genauso verstecken wie der Branchendurchschnitt deinen Salon.

An welcher der vier Größen drehst du zuerst?

An der Auslastung — sie ist die einzige Größe, die sich ohne Investition und ohne Preisliste bewegen lässt. Im Team-Szenario heben fünf Prozentpunkte mehr Auslastung den Modellumsatz um rund 1.260 € im Monat: ungenutzte Einwirkzeiten buchbar machen, Terminausfälle senken, Lücken passend zuschneiden. Erst danach lohnt der Blick auf den Umsatz je Stunde, also auf Preise und Leistungsmix.

Mehr Stunden und mehr Arbeitsplätze sind die teuersten Hebel und kommen zuletzt: Beide erhöhen zuerst die Kosten und erst dann — vielleicht — den Umsatz. Ein zusätzlicher Arbeitsplatz trägt sich nur, wenn seine Stunden auch verkauft werden; ob deine bestehenden das schon sind, zeigt dir die Auswertung ehrlicher als jedes Bauchgefühl. Und was der Umsatz am Ende wert ist, entscheidet die Kostenseite — den Weg dorthin rechnet der Beitrag Stundensatz berechnen vor.

Umsatz ist nicht Gewinn. Ein Salon mit 15.000 € Monatsumsatz und drei Vollzeitkräften kann rote Zahlen schreiben, während ein Solo-Salon mit 4.400 € gut lebt. Vergleiche deinen Umsatz deshalb immer mit deinen eigenen Kosten je Arbeitsplatz — nie mit der Zahl eines anderen Salons.

Rechenweg: deinen Möglichkeitsrahmen in fünf Schritten bestimmen

  • Besetzte Arbeitsplätze zählen — nur die, an denen regelmäßig gearbeitet wird, nicht die Stühle im Raum.
  • Bezahlte Anwesenheitsstunden aller Mitarbeiterinnen für einen Monat aus dem Schichtplan addieren.
  • Ehrliche Auslastung ansetzen: gemessen nach der Anleitung im Auslastungs-Ratgeber, ersatzweise 60 Prozent als Startwert.
  • Umsatz je verkaufter Stunde aus den eigenen Zahlen bilden: Dienstleistungsumsatz eines Monats geteilt durch verkaufte Stunden.
  • Alle vier Größen multiplizieren und das Ergebnis neben den echten Monatsumsatz legen — die Lücke dazwischen ist dein planbares Potenzial.

Häufige Fragen

Die umsatzsteuerpflichtigen Friseurunternehmen erwirtschafteten 2022 steuerpflichtige Netto-Umsätze von rund 7,07 Milliarden Euro, verteilt auf 52.334 Unternehmen — so der Branchenbericht des Zentralverbands auf Basis der Destatis-Umsatzsteuerstatistik (abgerufen 26.08.2026). Umsatzsteuerbefreite Kleinstsalons sind darin nicht enthalten.

Die ehrlichste Antwort auf die Umsatzfrage ist eine Rechnung, keine Zahl: Branchensummen sind belegt, Salon-Durchschnitte sind Konstrukte, und dein Möglichkeitsrahmen entsteht aus vier Größen, die du selbst kennst. Calendio liefert dir davon zwei laufend mit — die Auswertung zählt verkaufte Stunden und ehrliche Auslastung, getrennt nach Dienstleistung, Produkt und Gutschein. Die Entscheidung, an welcher Größe du zuerst drehst, bleibt deine; die Reihenfolge aus diesem Beitrag — erst Auslastung, dann Preise, zuletzt Fläche — ist dafür ein belastbarer Start.

Porträt von Jan Kotthoff

Jan Kotthoff Gründer von Calendio

Jan Kotthoff hat Calendio gebaut, weil ihn eine Frage nicht losließ: Warum blockt eine Salonsoftware die Einwirkzeit, obwohl in dieser Zeit niemand arbeitet? Er schreibt hier über das, was er beim Bauen und im Gespräch mit Salons gelernt hat — mit offenen Rechenwegen statt Behauptungen.

Quellen

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